chronik der "griesebigger"

Immer wieder wurde in den letzten 60 Jahren der Versuch unternommen, in dem damaligen Hemigkofen-Nonnenbach und späteren Kressbronn eine organisierte Fasnet zur Pflege alten Brauchtums aufzubauen. Leider kam dieses Bemühen damals nie über größere Anfänge hinaus und flammte jeweils nur zur Fasnetszeit wieder auf.

Nach dem zweiten Weltkrieg - wo die Menschen sich wieder nach Freude und Unter-haltung sehnten - gestalteten die Aktiven des Sportvereins jeweils am Fasnetsdienstag einen Kinderumzug, zu dem sich jährlich mehr Gruppen Erwachsener dazugesellten. Diese Entwicklung ermutigte 1957 die AH (Alte Herren-Abteilung) des Sportvereins, einen größeren Fasnetsumzug mit Elferrat und Prinzenpaar zur organisieren. Schnell konnte man feststellen, daß jung und alt mit Begeisterung mitmachten und man kürte Wilhelm Wochner zum ersten Fasnetsprinzen und gab ihm in Hiltrud Fugunt (heute Steputat) eine ebenso reizende wie rührige Prinzessin zur Seite. Gleichzeitig scharte Ernst Unkel eine Mannschaft um sich und gründete einen Elferrat, dem zunächst nur neun Mann angehörten.

Es waren dies: Ernst Unkel, Georg Fugunt, Alfons Sachs, Gebhard Hölzle, Wilhelm Wochner, Kurt Unkel, Ernst Schädler, Anton Frey und Hans Hecht. Etwas später kamen dann hinzu: Georg Kreisle, Karl Hornstein, Karl Störk, Otto Binder, Paul Lucas, Karl Neumann, Robert Futterer, Gebrüder Gerhard und Hubert Schaugg sowie Josef Dillmann und Rudi Müller.

Zunächst übernahmen Ernst Unkel und Georg Kreisle gemeinsam die Aufgabe, die notwendigen Vorbereitungen zur Gründung eines Narrenvereins zu treffen und die enstprechenden Sitzungen anzuberaumen sowie die erforderlichen Besprechungen zu führen. Im Laufe des Jahres 1958 war es dann soweit, daß offiziell der Narrenverein "Rot-Weiß" gegründet werden konnte. Zum ersten Präsidenten und damit zum Vereinsvorstand wurde Georg Kreisle gewählt, während Ernst Unkel - der für diesen Posten nicht kandidierte - zum Vizepräsident bestellt wurde. Georg Fugunt wurde Stellvertreter, Karl Störk Schatzmeister und Gebhard Hölzle Schriftführer.

Das neue Präsidium, unterstützt von einem sehr aktiven Vereinskomitee, entwickelte Aktivitäten, die schon bald zu sichtbaren Formen führten. So wurde der bis zu diesem Zeitpunkt von der Musikkapelle durchgeführte Bürgerball vom jungen Narrenverein übernommen und erstmals 1959 als Heimatball im Engelsaal aufgeführt. Erstaunt und begeistert war die Bevölkerung von den hervorragenden Leistungen der Akteure, die großen Beifall ernteten und zur Wiederholung dieses ersten Heimatballs herausgefordert wurden. Die musikalische Umrahmung hatte eine Gruppe der Musikkapelle unter der Leitung von Gebhard Amann sen. übernommen. Bei dieser Veranstaltung fehlten auch nicht die reizenden Mädchen der neu geschaffenen Prinzengarde, deren Kostüme in der eigenen "Hofschneiderei" im Hause Unkel geschaffen wurden. Frau Bertl Unkel fungierte bereits ab diesem Jahr als Hofschneider-meisterin.

Bereits zu diesem Zeitpunkt pflegte man schon sehr freundschaftliche Bande mit dem Narrenverein "Hennenschlitter" in Immenstaad. Narrenvater Franz Traub - als Vorstand dieses Vereins - stand mit Rat und Tat in der Aufbauarbeit zur Seite und wurde in Kress- bronn bald als Onkel Franz betitelt. Bei der Suche nach einem neuen, der Tradition entsprechenden Namen, kam auch von ihm der Vorschlag "Griesebigger" mit dem Schlachtruf "Stari-Staro". Bereits 1960 war dann die Vereinssatzung erstellt, der Verein ins Vereinsregister eingetragen und damit der Verein zu Pflege von Volks- und Brauchtum Narrenverein Griesebigger e.V. etabliert. Immenstaad übernahm sodann die offizielle Patenschaft und in gegenseitigen Besuchen wurden künstlerisch gestaltete Patenschaftsurkunden überreicht, wobei manche schönen und gemeinsamen Veranstaltungen organisiert wurden.

In der Folgezeit zogen immer größer werdende Griesebiggerscharen in der Fasnetszeit durch die Lande und es braucht wohl keineswegs hervorgehoben werden, daß dieser Name "Griesebigger" nach den gefräßigen Staren, welche zur Kirschenzeit den Bauern so manche Sorge bereiten, gewählt wurde. Somit entstand auch der Schlachtruf, den jedes Kind in Kressbronn heute kennt -

S t a r i - S t a r o !

Dieser Tradition entsprechend wurden sodann zwei Maskengruppen ins Leben gerufen, die Original-Griesebigger und die Starenscheucher (Hexen). Kostüme und Masken wurden entworfen und angeschafft oder angefertigt und es entwickelte sich geade in diesen Gruppen ein sehr reges und von vielfältigen Ideen getragenes Leben. Durch die Fertigstellung der Turn- und Festhalle konnte 1962 der Heimatball in größerem Rahmen und vor mehr Publikum abgehalten werden. Dies bedeutete für die Akteure und Organisatoren eine neue Aufgabe, um das Programm vom bisher dörflichen und zum Teil personenbezogenen Charakter auf eine allgemein interessierende und breitere Basis zu stellen und der Veranstaltung ein besseres Niveau zu geben. Bei diesem Bemühen versuchte man auch andere Vereine für dieses Heimatballprogramm zu interessieren und zu begeistern. So kamen die "Hofstaren" als Gruppe vom Gesangsverein, die Akrobaten vom Turnverein und natürlich die Kressbronner Dorfmusikanten dazu. Ebenfalls fest im Programm waren die Bänkelsänger, die immer besonders erfreuten, die zwei vom Stammtisch mit der Dorfchronik, die Tanzgruppen unserer Garden, der Griesehüter als Ansager oder Traditionsfigur und viele andere. Diese Gemeinschaftsleistung brachte dem Kressbronner Heimatball seine große Beliebtheit und ist aus dem Gemeindegeschehen wohl nicht mehr wegzudenken.

Im Verein war man immer bestrebt, die Jugend für die Pflege dieses Brauchtums zu begeistern und immer mehr Jugendlich wurden aktiv in den Gruppen tätig. Diese Entwicklung und die finanzielle Lage des Vereins ermöglichte es 1970, einen lang gehegten Wunsch zu realisieren und eine Schalmeiengruppe aufzustellen. Komiteemitglied Edwin Rudolf übernahm zunächst die musikalische Leitung der damals 14 Mann starken Kapelle, die bis heute auf 35 aktive Mitglieder angewachsen ist. Mit all diesen inzwischen gut ausgestatteten Gruppen konnte man bei vielen Veranstaltungen im In- und Ausland teilnehmen und es entstanden Verbindungen nach Rorschach in der Schweiz, nach Dornbirn in Österreich und viele andere wie auch zum Rheinland nach Köln-Büllesbach. Im Laufe dieser Jahre verstand man es vortrefflich, die Jugend einzureihen und deshalb entschloß sich Präsident Georg Kreisle am 11.11.1979, nach 22-jährigem ununterbrochenem Wirken für den Verein, die Führung in jüngere Hände zu geben. Eine jüngere Vorstandschaft hat damit das Erbe ihrer Väter übernommen.